IGF-1 in Colostrum?

IGF-1 in Colostrum?

Was IGF-1 ist und warum es den Ruf hat

IGF-1 ist ein Eiweiß, genauer ein Peptidhormon, das dein eigener Körper herstellt. Vor allem in der Leber, angestoßen durch dein Wachstumshormon. Seine Aufgabe: Es regt Zellen an, sich zu teilen, und bremst gleichzeitig den natürlichen Zelltod. Im Alltag ist das normal und lebenswichtig, so erneuert sich dein Körper. IGF-1 ist also nichts Fremdes. Es zirkuliert genau jetzt in deinem Blut, während du das liest.

Genau diese Wirkung ist aber auch der Grund für den schlechten Ruf. Was Zellteilung anschiebt und den Zelltod ausbremst, betrifft im Zweifel auch Zellen, die sich besser nicht weiter teilen sollten: Krebszellen. Deshalb wird ein dauerhaft hoher IGF-1-Spiegel im Blut kritisch gesehen und mit einem höheren Krebsrisiko in Verbindung gebracht.

Wichtig ist das Wort Blutspiegel. Kritisch diskutiert wird ein dauerhaft hoher Wert im Blut über Jahre, nicht eine kleine Menge, die du einmal isst und verdaust. Das sind zwei verschiedene Dinge, die gern in einen Topf geworfen werden.

Und ja, das hat mit Ernährung zu tun

Jetzt der Teil, an dem die meisten – zu Recht – stutzig werden: Der IGF-1-Spiegel im Blut hängt sehr wohl mit der Ernährung zusammen. Wer viel Milch und Käse isst, hat im Schnitt einen höheren Spiegel. Das stimmt.

Entscheidend ist nur das Wie. Es ist nicht so, dass das IGF-1 aus der Milch die Verdauung übersteht und eins zu eins in dein Blut wandert. IGF-1 ist ein Eiweiß, Magensäure und Enzyme zerlegen es vorher in seine Bausteine, wie jedes andere Protein. Was den Spiegel hebt, ist etwas anderes: Eine große Menge Milcheiweiß ist für deinen Körper ein Signal, selbst mehr IGF-1 zu produzieren. Nicht die Milch bringt das Hormon mit. Die Milch bringt deinen Körper dazu, mehr davon zu machen.

Warum es bei einer Kapsel Colostrum anders liegt

Colostrum, die erste Nahrung der Säugetiere, enthält von Natur aus IGF-1.

1. die Menge im Produkt. Das enthaltene IGF-1 wird verdaut wie jedes Eiweiß und landet nicht intakt in deinem Blut. Dabei hilft, dass ein erwachsener Darm ohnehin viel dichter ist als der eines neugeborenen Kalbs, für das Colostrum in den ersten Lebensstunden gedacht ist. Dieses kurze Fenster, in dem große Moleküle unversehrt durchkommen, ist beim Erwachsenen längst zu.

2. und wichtiger: das Signal. Ein hoher IGF-1-Spiegel entsteht über die Masse an Milcheiweiß. Liter Milch, Portionen Käse, Tag für Tag. 1.200 mg Colostrum sind dagegen eine winzige Proteinmenge. Sie reicht schlicht nicht, um deine körpereigene Produktion nennenswert nach oben zu treiben.

Wo die eigentliche Stellschraube liegt

Wenn dich dein IGF-1-Spiegel ernsthaft beschäftigt, liegt der Hebel also nicht bei einer Kapsel, sondern bei deinem Ess-Muster insgesamt: wie viel Milchprodukte, wie viel Protein über den Tag, wie viel im Übermaß. Der sinnvolle Ansatz ist eine ausgewogene Ernährung – genug, aber nicht zu viel. Nicht das Weglassen eines einzelnen natürlichen Lebensmittels.

Die IGF-1-Angst wird oft aus Zusammenhängen importiert, die mit einer Kapsel nichts zu tun haben. Aus dem Doping etwa, wo IGF-1 gespritzt wird und direkt und in ganz anderen Größenordnungen ins Blut geht. Oder aus der Debatte um hohen Milchkonsum, die real ist, aber über die Gesamtmenge läuft, nicht über eine kleine Menge Pulver in Kapselform.

Unsere Haltung dazu ist simpel: Wir verstecken das IGF-1 nicht, wir erklären es. Colostrum enthält es, weil es die erste Nahrung der Natur ist. Als kleine Menge, die du isst und verdaust, ist das kein Risiko. Was für deinen Körper zählt, bleibt dasselbe wie immer: vernünftig und ausgewogen essen.

Wenn du genauer hinschauen willst: gute Idee. Das ist genau die Art Frage, die man sich stellen sollte, bevor man etwas nimmt. Und wenn du eine bestehende Erkrankung hast oder in Behandlung bist, sprich es kurz mit deiner Ärztin oder deinem Arzt durch. Das gilt für jedes Supplement.

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